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So gehen Radiosender mit Blogger-Anfragen um

Welche Rolle spielt es, ob sich ein „Blogger“ oder ein „Journalist“ mit seiner Anfrage an eine Pressestelle wendet? Im Idealfall keine! Dass selbst Blogger, die über einen Presseausweis verfügen, derzeit vom Bundestag offenbar in großer Zahl abgewiesen werden, ist meiner Ansicht nach keinesfalls hinnehmbar – und wird derzeit auch öffentlich diskutiert.

radiowatcher hat Radiosender gefragt

Weil es in diesem Blog ums Radio geht, hat radiowatcher nun bei zehn Pressestellen sowohl privater als auch öffentlich-rechtlicher Sender nachgefragt, wie sie Blogger einschätzen und mit ihnen umgehen. Die Antworten sind teilweise überraschend.

Diese Sender wurden angefragt

Angefragt wurden der Norddeutsche Rundfunk (NDR), der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), der Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb), der Westdeutsche Rundfunk (WDR), der Bayerische Rundfunk (BR), das Deutschlandradio sowie die Privatsender FFH (Hessen), FFN (Niedersachsen), das RTL Radio Center Berlin (u.a. 104.6 RTL, 105,5 Spreeradio) und Radio Gong (Bayern).

Sonderfall Antenne Bayern

Da die Pressestelle von Antenne Bayern seit dem vergangenen Jahr diesem Blog jegliche Presseinformationen verweigert, wurde auch sie angefragt. Mit der Bitte, die gegen radiowatcher vorgebrachten Vorwürfe näher zu erläutern. Mehr zu diesem kuriosen Fall lesen Sie weiter unten in diesem Text!

Die gestellten Fragen

Alle genannten Radiosender erhielten in der Nacht auf Freitag eine E-Mail, in der sie gebeten wurden, folgende Fragen zu beantworten:

1) Haben Sie Anfragen von Bloggern des Öfteren?
2) Wie sehen Sie Blogs?
3) Gibt es (für Sie) einen Unterschied zwischen Anfragen, die von (journalistischen) Bloggern stammen und solchen, die von in Redaktionen arbeitenden Journalisten kommen?
4) Falls ja: Wie äußert sich dieser Unterschied hinsichtlich der Beantwortung der Anfragen?

Die ersten Antworten

Bereits um 9.30 Uhr erhält radiowatcher die erste Antwort. Dominik Kuhn, Pressesprecher von HITRADIO FFH, schreibt:

Eine „anhaltende Diskussion“ kann ich nicht feststellen. Als Pressesprecher verstehe ich es als meine Aufgabe, Fragen zu beantworten – und natürlich im Sinne des von mir vertretenen Unternehmes abzuwägen. Journalisten wollen wissen, mit wem sie reden – so will und muss ich auch als Pressesprecher wissen, mit wem, welchem Medium ich es zu tun habe. Richtig ist, dass es große Qualitäts-Unterschiede in Fragen und Antworten gibt – das ist aber kein neues, kein Blog(ger)-spezifisches Phänomen.

FFN: „Nur sehr selten Anfragen von Bloggern“

Etwa eine halbe Stunde später meldet sich die Unternehmenskommunikation vom Privatsender FFN. Christine Hippchen führt aus:

Bei radio ffn haben wir nur sehr selten Anfragen von Bloggern und wenn, beschränken sich diese zumeist auf große ffn-Veranstaltungen und die dort engagierten Künstler (also konkret Anfragen nach Interviewmöglichkeiten, Auftrittszeiten etc.). Grundsätzlich setzen wir jede Anfrage, egal ob von Tageszeitungen, Fachmagazinen oder Blogs, gleich und bemühen uns, sie in kürzester Zeit zu beantworten.

„Blogger sind keine Journalisten, aber Journalisten sind Blogger“

Kurz vor elf Uhr meldet sich der Leiter der Pressestelle des Deutschlandradios. Er bittet um ein Telefongespräch, würde gerne anrufen, „um Ihre Anfrage zu beantworten“. Nachdem er die Rufnummer erhalten hat, klingelt Carsten Zorger wenig später durch und äußert sich ausführlich über seine Sicht der Dinge: Ja, es spielt eine Rolle, ob jemand Journalist oder Blogger sei, sagt er: „Blogger sind keine Journalisten, aber Journalisten sind Blogger“.

Anfragen nehme man natürlich zunächst einmal von jeder Person entgegen – ob Hörer, Journalist oder Blogger. Anschießend gehe es allerdings darum, jede einzelne Mail nach bestimmten Kriterien zu gewichten. „Fragen Blogger oder Journalisten an, spielt natürlich die Reichweite des jeweiligen Mediums eine große Rolle“, sagt Carsten Zorger.

Besondere Behandlung für „Premium-Blogger“

„Premium-Blogger“, wie er sie nennt, hätten ein besonderes Gewicht und würden demnach mit Priorität behandelt. „Wir müssen unseren Berufsstand schützen!“ – auch das sagt Carsten Zorger. So sei es in vielen Fällen zunächst einmal nötig, die ‘Echtheit‘ einer anfragenden Person zu prüfen“, zum Beispiel mit Hilfe einer Suchmaschine.

BR: „Blogs als Quellen für weitere Recherchen“

Um kurz vor drei meldet sich Markus Huber vom Bayerischen Rundfunk. Unsere Anfrage wolle er „gerne mit unseren Spezialisten für Social Media abstimmen“. Leider sei ein Feedback „terminbedingt vermutlich erst am Montag“ zu erwarten. Etwa eine Stunde später ist die Antwort jedoch schon da: „Presseanfragen von Bloggern erleben wir aktuell noch selten“, schreibt Markus Huber:

Grundsätzlich haben sie für uns die gleiche Bedeutung wie Anfragen von anderen Onlinemedien, da viele Blogs hohe Beachtung genießen und auch eine Quelle für weitere Recherchen anderer Medien darstellen.

Um halb vier meldet sich Martin Gartzke vom Norddeutschen Rundfunk:

Immer wieder erhalten wir Anfragen auch von Bloggern. Diese Anfragen nehmen wir ebenso ernst wie die von Journalistinnen und Journalisten, die für traditionelle Medien arbeiten. Dies gilt dann nicht, wenn im Einzelfall eine Anfrage offenkundig nicht seriös erscheint – auch so etwas gibt es, wenn auch selten.

Außerdem schreibt der NDR:

Wenn es sich anbietet, treten wir unsererseits gezielt mit einzelnen Bloggern in Kontakt, die sich besonders für unsere Programme interessieren. So haben wir z. B. Karten für die so genannten Foyerkonzerte unseres jungen Radioprogramms N-JOY verlost. Gerade für unsere jüngeren Angebote gewinnen nicht nur Online-Seiten allgemein, sondern auch Blogger an Bedeutung.

„Ein interessantes Thema aufgegriffen“

Von Uwe-Jens Lindner vom Westdeutschen Rundfunk gibt es zunächst einmal Lob für radiowatcher. Wir hätten „ein interessantes Thema aufgegriffen“, scheibt er.

Auf die Frage, ob den WDR Anfragen von Bloggern des Öfteren erreichen, antwortet Uwe-Jens Lindner: „Ja, solche Anfragen erreichen uns immer wieder.“ Weiter schreibt er, dass „Relevanz, Qualität und Anspruch von Blogs sehr stark variieren“:

Daher entscheiden wir von Fall zu Fall: Wenn der Blog einen ernst zu nehmenden journalistischen Anspruch hat, Relevanz besitzt und aktuell ist, dann behandeln wir entsprechende Anfragen genauso wie von Journalisten klassischer Medien. Das gilt auch bei Anmeldungen von Bloggern zu unseren Presse- und Fototerminen.

Wenn sich allerdings Blogger anmelden, die lediglich über ihre Hobbies berichten oder einem Schauspieler huldigen und über Wochen keinen Artikel mehr veröffentlicht haben, dann lehnen wir die Akkreditierung auch ab. Kurzum: Wir prüfen jede Anmeldung – ebenso wie bei „richtigen“ Journalisten übrigens. Es kann nämlich auch vorkommen, dass wir schlicht aus Platz- und Zeitgründen nicht alle Teilnahmewünsche erfüllen können.

Vom rbb erreicht uns am Freitag leider keine Antwort, ebenso wenig vom MDR (Update 17.02.: mittlerweile eingelangt), dem RTL Radio Center Berlin (Update 19.02.: Rückruf von Seiten der Pressestelle mittlerweile erfolgt, Antwort anschließend per Mail erhalten)  und dem Nürnberger Radio Gong.

Antenne Bayern meldet sich nicht mehr

Einer der großen Privatsender des Landes, Antenne Bayern aus Ismaning bei München, möchte sich offensichtlich nicht zur Thematik äußern. Überhaupt beantwortet der Sender keinerlei Anfragen mehr von radiowatcher. Nach einer konkreten Anfrage unseres Blogs von 2013, die sich auf eine Programmaktion des Senders bezog und um eine Stellungnahme bat, hatte die Pressestelle uns ein letztes Mal geantwortet:

Grundsätzlich beantworten wir gerne und immer jede Frage von Medienvertretern, wenn es einer ausgewogenen, sachlichen und fairen Berichterstattung dient. Leider haben wir nach dem Beantworten Ihrer letzten Anfragen ein gewisses Maß an Fairness und kollegialem Respekt im gegenseitigen Umgang vermisst. So möchten wir bis auf Weiteres davon absehen, Ihnen zusätzliche Auskünfte zu geben, die über unsere normale Berichterstattung on air und online hinausgehen.

Ich als Gründer von radiowatcher und Verfasser des genannten Beitrags, halte diesen von der Pressestelle geäußerten Vorwurf bis heute für unhaltbar und bewerte die Maßnahme, mir künftig Auskünfte zu verweigern, als sehr problematisch.

Aus diesem Grund schrieb ich dem Pressesprecher damals, dass ich die von ihm vorgebrachten Vorwürfe „leider nicht nachvollziehen“ könne. Auch fragte ich, was konkret „Sie mit den in Ihrer Mail vorgebrachten Vorwürfen genau meinen bzw. bezwecken“.

Weiter schrieb ich:

Ich hatte im Februar ein einziges Mal bei Ihnen angefragt und Ihr Statement anschließend in den Text aufgenommen – wie es sich journalistisch gehört. Wenn ich Sie bitten darf: Führen Sie doch kurz aus, wo genau Sie „kollegialen Respekt im gegenseitigen Umgang“ und „ein gewisses Maß an Fairness“ vermisst haben. An dieser Stelle hilft es wohl nur, konkret zu werden.

Außerdem:

Dass Sie einem freien, transparenten, öffentlichen Medium zukünftig offensichtlich Auskünfte verweigern wollen, finde ich in jedem Fall bedenklich. Ich zumindest glaube nicht, dass ein Unternehmen wie Antenne Bayern derartige Maßnahmen nötig hat. Vielmehr disqualifiziert man sich hierdurch in erster Linie journalistisch. Ich hoffe, dass sie diesbezüglich meiner Meinung sind.

In der vergangenen Woche habe ich den Pressesprecher erneut kontaktiert, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich für den hier vorliegenden Artikel zum dargelegten Fall zu äußern. Auch diesmal erhielt ich keine Antwort. Dass sich Antenne Bayern selbst als Informationsmedium sieht und so gesehen werden möchte, daran zumindest dürfte kein Zweifel bestehen.

Umfrage: Sollten engagierte "Blogger" wie ausgebildete "Journalisten" behandelt werden?

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Das Ergebnis dieser Umfrage ist nicht unbedingt repräsentativ.
Rundungsbedingt kann es zu Abweichungen kommen.

Offene Fragen beim bigFM-Casting bleiben unbeantwortet

Auch der Privatsender bigFM hat nach der Veranstaltung seines Moderatoren-Castings im vergangenen Jahr womöglich nicht nur für mich eine ganze Reihe unbeantworteter Fragen hinterlassen. Ob bei der skurrilen Programmaktion tatsächlich einiges schief gelaufen ist, muss jeder Leser für sich selbst bewerten. Hier auf radiowatcher kann die Geschichte jeder nachlesen – in voller Länge. Immerhin hat die Pressestelle des Senders aber auf jede einzelne Anfrage geantwortet (wenn auch inhaltlich unzureichend, wie ich fand). Zumindest in dieser Hinsicht geht man in der Pressestelle von bigFM auch mit kritischen Anfragen etwas entspannter um.

Kommentar zum Thema

Mein Kollege Tobias Gillen hat einige Aussagen der Pressesprecher kommentiert. Seinen Beitrag finden Sie auf tobiasgillen.de.

Updates

Montag (17.02.2014), 10.05 Uhr: Um 10.03 Uhr hat sich die Pressestelle des MDR gemeldet – zunächst mit einer Entschuldigung: Man habe „eine Vielzahl von Anfragen,  insofern lassen sich nicht alle am selben Tag beantworten“. Weiter heißt es kurz und bündig: „Ja, wir haben auch Anfragen von Bloggern, derzeit überwiegen bei uns in der Pressestelle die Anfragen von klassischen Medien. Und nein, wir machen keinen Unterschied.“ Warum nur habe ich das Gefühl, dass ich, wenn ich im Auftrag einer großen Zeitung angefragt hätte, die Antwort schon am Freitag erhalten hätte? Aber das Gefühl kann auch täuschen.

Mittwoch (19.02.2014), 14.37 Uhr: Das RTL Radio Center Berlin hat nach eigenen Angaben häufig Anfragen von Bloggern, und zwar „zu Veranstaltungen der Sender oder wenn wir ankündigen, dass wir Künstler im Interview haben“. Blogs sieht man als „Nachrichtenquellen ebenso wie andere Medien“. Auf die Frage, ob es einen Unterschied zwischen Anfragen von (journalistischen) Bloggern und in Redaktionen arbeitenden Journalisten gebe, heißt es kurz: „Nein, ich kann keinen Unterschied feststellen.“

8 Gedanken zu „So gehen Radiosender mit Blogger-Anfragen um

  1. „Warum nur habe ich das Gefühl, dass ich, wenn ich im Auftrag einer großen Zeitung angefragt hätte, die Antwort schon am Freitag erhalten hätte? Aber das Gefühl kann auch täuschen.“
    .
    Ich habe auch ein „Gefühl“…
    ….nämlich, dass der Blogger hier oben von vornherein ein bestimmtes Ergebnis erwartete, ja: erhoffte. Um dann drauf rumzureiten, wie gemein oder doof die Radioleute sind.
    Dass die Redaktionen anders (nämlich liberaler) geantwortet haben, scheint ihn etwas zu enttäuschen und deshalb reitet er auf anderen Dingen herum.

  2. Jedem sein Gefühl, Herr Mueller. 🙂 Nur zu Ihrer Information: Diese Seite betreibe ich als Blogger in meiner Freizeit. Hauptberuflich (oder wie man das nennen mag) bin ich Journalist/Redakteur (Volontariat) und habe auch bei Radiostationen gearbeitet. Im Übrigen halte ich diese Branche nicht für „doof“, wie sie das (etwas plakativ) ausdrücken. Im Gegenteil: Ich habe viele Freunde und Bekannte in dieser Branche und interessiere mich für deren Arbeit (deshalb auch dieses Blog). Ihre pauschale Kritik sollten Sie vielleicht etwas präzisieren. Damit wäre allen geholfen, die versuchen, sie zu verstehen. Schönen Tag!

  3. Journalist ist kein geschützter Begriff, so kann sich quasi jeder nennen. Egal, ob dahinter eine große Redaktion oder eben eine sehr kleine – bis hin zu nur einer Person – steckt. Und: Ein Blog ist ja gewissermaßen nur das Medium. Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen einer Seite via wordpress oder dem Spiegel-Online-Auftritt besteht da meines Erachtens nicht.
    Insofern ist der Gegensatz zwischen „Journalist“ und „Blogger“ von vornherein Quatsch. Entweder man ist Journalist – hält also gewisse Gepflogenheiten ein – oder man ist es nicht.

  4. „Warum nur habe ich das Gefühl, dass ich, wenn ich im Auftrag einer großen Zeitung angefragt hätte, die Antwort schon am Freitag erhalten hätte? Aber das Gefühl kann auch täuschen.“

    Klang halt wie ein unbegründeter Vorwurf

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