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Falsches Signal – radioplayer.de mogelt sich an DAB vorbei

Es ist ein Projekt, über das in der Radiobranche lange gesprochen wurde. Nun ist sie da, die App mit dem Titel radioplayer.de. Was sie kann? Nun gut, Radioprogramme streamen, und zwar die der am Projekt teilnehmender Sender. Erklärtes Ziel der Mission ist es, „einen Radioplayer zu bieten, über den jeder überall alle deutschen Radios empfangen kann“.

ARD auch dabei?

Das wiederum dürfte noch dauern, denn die vielen, vielen ARD-Programme kann man über die App zurzeit noch nicht abrufen, angeblich gibt es allerdings Gespräche, wie der Mediendienst kress berichtet.

Nett ist sicherlich, dass man in die App auch eine Mediathek eingebaut hat. Hier lassen sich etwa Regionalnachrichten nachhören. Ansonsten ähnelt das Angebot dem von radio.de oder TuneIn, wobei beim nun gestarteten radioplayer.de wesentlich weniger Programme streambar sind.

Falsche Entscheidung!

Das eigentliche Problem ist aber ein anderes: Das, was hier als innovativ verkauft wird, ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer medienpolitisch falschen Weichenstellung. Anstatt endlich damit anzufangen, das digitale terrestrische Radio für die Masse attraktiv zu machen, konzentriert man sich völlig ohne Not auf den Bereich Mobilfunk. Mit dem Handy Radio streamen? Das ist keine besonders sinnvolle Lösung! Zumindest derzeit nicht, wo das Gros der Bevölkerung Handytarife mit Highspeedvolumina von meist 500 MB hat. Wer hier ein paar Stunden täglich seinen Lieblingsradiosender hört, reißt die Datengrenze bereits nach wenigen Tagen.

Wir brauchen den Eurochip. Jetzt!

Warum also nicht endlich auf terrestrisches Digitalradio setzen? Warum als Radiobranche nicht endlich dafür sorgen und werben, dass der „Eurochip“ flächendeckend in Smartphones eingebaut wird? Warum müssen die Privatsender hier unbedingt ihren eigenen Kopf durchsetzen? Ich habe Verständnis für die Sorge vieler Verantwortlicher um sinkende Marktanteile bei wachsender Konkurrenz im DAB-Bereich. Aber das kann und darf kein Grund sein, eine funktionierende Technik derart hartnäckig zu ignonieren und zu blockieren!

Ein Massenmedium wie Radio (noch ist es eines!) braucht derzeit noch zwingend den terrestrischen Verbreitungsweg! Bestimmte Extradienste können dann ja trotzdem um die Internet-Infrastruktur herum konzipiert werden. Das wäre dann tatsächlich innovativ.

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4 Gedanken zu “Falsches Signal – radioplayer.de mogelt sich an DAB vorbei

  1. Radioplayer ist ja nun keine App, sondern ein Aggregator, der eben auch Apps anbietet. Der Radioplayer ist auch auf den Websites der beteiligten Sender zu finden. Und Radio übers Internet – das ist ja ein etablierter Verbreitungsweg. Ganz im Gegensatz zu DAB.

    Die Beschränkung des Radioplayers auf die am Projekt beteiligten deutschen Radiosender ist bedauerlich und macht ihn für mich relativ uninteressant. Da finde ich bei den Konkurrenzprodukten wie radio.de oder TuneIn einfach unendlich viel mehr (wobei bei Radioplayer noch längst nicht alle geplanten Sender online sind). Dem Otto-Normal-Hörer mag das Angebot aber genügen, hört er doch auch sonst vorzugsweise die üblichen UKW-Sender über das Internet.

    Die gammelige 80er Jahre-Technik DAB kommt für mich aufgrund des mageren Programmangebots nicht in Frage. Früher oder später wird jemand einen Codec oder ein Streamingverfahren entwickeln, mit dem sich die Kosten auf ein Minimum reduzieren lassen (wie damals der Schritt von WAV zu MP3 und später zu AAC). Spätestens dann kann die DAB-Fraktion einpacken.

  2. @Joachim: Völlig falsch!
    DAB+ nutzt längst AAC, ebenso gibt es auch Webstreams mit AAC+ (aber nur wenige – Radio Caroline z.B.. – die meisten nutzen noch MP3).
    Und was bitte ist daran „gammelig“, einen Broadcast-Dienst, nämlich Radio, auch über ein Broadcast-Medium – nämlich Funk – zu verbreiten, statt einen technischen Gewaltakt zu vollziehen, nämlich erst ein Telekommunikations-Medium – das Internet – mit je einem Stream für jeden Hörer (oder gar TV-Gucker) zu belasten, andererseits jede Individualkommunikation wie E-Mail, Chat zu bekämpfen (ARD-„Internetoffensive“ – Offensive = Angriffskrieg). Und dann das Ganze noch auf den superteuren Mobilfunkkanal zu hieven. Ich habe gerade mal 200 MB und jede Menge Empfangslöcher auf der Zugfahrt, aber die Musikindustrie bekämpft Podcasts und Downloads und will, daß ich per Streaming höre und in jedem Tunnel die Musik ausgeht…
    Nichts gegen Webradio für kleine Hörerzahlen und weit entfernte Stationen. Es ist aber nichts für den Massenmarkt, sonst brauchen wir ein paar AKW mehr für all den Traffic, und schon gar nicht ist es etwas für den mobilen Radiogenuß. Daran könne auch Apps, die wenigstens mehrere Programme zusammenfassen, statt immer nur eine App für einen Sender, was völliger Schwachsinn ist, nichts ändern.
    Ich erinnere daran, daß ausgerechnet der westdeusche Rundfunk, der ja federführend bei der „Internet-Offensive“ war und dafür unter anderem meine E-Mail-Adressen einkassieren wollte, am Anfang jeden Stream nach 20 Minuten getrennt hat, um ausufernde Traffic-Kosten zu vermeiden.
    Ein DAB-Radio hört nicht auf, zu funktionieren, wenn bei einer Katastrophe wie Unwetter plötzlich 10x soviele Leute einschalten. Mit Webradio, und erst recht mit der Steigerung Mobilfunk kann man das Ganze dagegen vergessen.

  3. @DL2MCD:
    Ist schon recht – und viel Erfolg weiterhin. So einen verbissenen Kampf für ein seit Jahrzehnten unbeliebtes Medium mit bescheidenen Möglichkeiten hab ich jedenfalls noch nie erlebt.

  4. Viel Erfolg? Bei was? Du bist ja anscheinend auf der Seite derjenigen, die die UKW-Dudler (ob ÖRR oder kommerziell) ins Internet holen wollen.
    Nur weil ich im Internet endlich wieder das tun möchte, was man da machen konnte, bevor die ARD die „Internet-Offensive“ ausrief, siehst Du mich als „verbissen“?
    Und nein, ich arbeite nicht für DAB, das tut leider praktisch niemand. Die berühmte „Lobby“ gibt es nicht. Ich verstehe nur nicht, wieso alles andere normal als Broadcast digitalisiert werden darf, TV ja mit DVB-S, DVB-C und DVB-T, nur beim Radio soll alles ins Internet, Narrowcast statt Broadcast. Oder es soll DVB-T mit totalen technischen Klimmzügen für Radio verwurstet werden, was aber nunmal nicht paßt.

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