Vorwurf an RBB-Intendantin: das Sandmännchen „dem Informationswahnsinn geopfert“

In Zeiten wie diesen muss man als Journalist ja manchmal froh sein, wenn man von anonymen Kritikern aus den Weiten des Internets nicht verbal gepfählt wird.

Von Glück lässt sich also reden, dass es auch noch diejenigen Wutbürger gibt, die, hinter ihrem Empfänger sitzend, brav die Nummer ihres Heimatradiosenders anrufen, den sie gerade hören, und ebendort versuchen, ihrem Unmut Luft zu machen. Mit vollem Namen, und eben auch ein bisschen wütend.

Senderchefin live zugeschaltet

So geschehen während des „Medienmagazin“ von Radio Eins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Am heutigen Abend hatte Moderator Jörg Wagner eine besondere Sendung, denn die Senderchefin, Intendantin Patricia Schlesinger, war ihm live zugeschaltet – und hat Fragen seiner Hörer beantwortet, zum RBB allgemein, und besonders zu den Sendungen des Fernsehprogramms, das unter Frau Schlesinger seit einiger Zeit generalüberholt wird.

Angerufen und die Gelegenheit für ein Pläuschchen genutzt hat da auch Tim Traube aus Brandenburg, der „mal ne Anmerkung hat“ und dem RBB vorwirft, „im Rahmen des Informationswahnsinns“ über den Terroranschlag in Berlin das „Sandmännchen“ mal eben „geopfert“ zu haben, was er „dann doch eher schade fand“ und außerdem auch „etwas uncool“.

Anschlag „keine schöne Sache“

Das mit dem LKW, der in den Weihnachtsmarkt fuhr, sei, das sagt Herr Traube ganz ehrlich, „keine schöne Sache“ gewesen, aber das Sandmännchen deswegen ausfallen lassen? – Geht für ihn mal gar nicht. In echt klingt das natürlich besser, und zwar so:

Patricia Schlesinger ist tapfer – und versucht, Herrn Traube die Programmmaßnahme, wegen Liveberichterstattung über den Terroranschlag das „Sandmännchen“ entfallen zu lassen, zu begründen:

Unorthodoxerweise kommt Moderator Jörg Wagner da der Gedanke, dass man das „Sandmännchen“ an eben jenem inkriminierten Abend sich doch auch im Kinderkanal hätte ansehen können, oder? Herr Traube zeigt sich auch hier umfassend informiert:

Da Herrn Traubes Tochter allerdings erst zwei Jahre alt ist und somit als ernsthafte Gesprächspartnerin mehr als ungeeignet, ist der Vorschlag Wagners, man hätte vor dem Genuss des „Sandmännchen“ auch zunächst die Anschlagsthematik gemeinsam in der Familie erörtern können, für unseren Anrufer jedoch hinfällig.

Einige Minuten später bekommt dieser und seine These vom „Informationswahnsinn“ allerdings doch noch unerwartete Rückendeckung – von einem Anrufer aus Berlin, der Herrn Traube wortgewaltig zur Seite springt – und Frau Schlesinger angeht:

Auch diesmal argumentiert die Senderchefin aus journalistischer Perspektive. Und, ja, die gute Nachricht zum Schluss: Trotz der Anrufer ist ihr heute nicht die Lust am Diskutieren vergangen. Sagt sie zumindest, von Jörg Wagner gefragt:

P.s.: Gibt es das Sandmännchen eigentlich auch on demand?

Antwort: Ja, hier, und als App auch.

2 Gedanken zu „Vorwurf an RBB-Intendantin: das Sandmännchen „dem Informationswahnsinn geopfert“

  1. Irgendwie ist es schon amüsant, wie das Sandmännchen für so viel Diskussionsstoff sorgen kann. Dieser Artikel ist schön kritisch und gut geschrieben, die Art der Berichterstattung gefällt mir, mit diesen Radio-Tonspuren. Ich kann beide Parteien verstehen. Auf der einen Seite sind die Nachrichten über die Terroranschläge schon wichtiger als das Sandmännchen, aber es wird schon wirklich extrem viel darüber berichtet. Wie viel dann letzten Endes zuviel ist, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Und ein Kind kommt auch einen Abend ohne Sandmännchen aus, oder man schaut es ganz einfach auf Kika.

  2. Die Berichterstattung über wichtige Geschehnisse ist rein objektiv betrachtet schon wichtiger als der Sandmann. Aber es stimmt, dass teilweise immer wieder dieselben Meldungen ohne neue Informationen gezeigt werden. Ob diese ständigen Wiederholungen notwendig sind, ist fragwürdig. Klar, man will so viele Menschen wie möglich erreichen. Aber wenn um die jeweilige Uhrzeit normalerweise der Sandmann läuft, sitzen sowieso fast nur Kinder vor dem Fernseher.

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