Valerie Weber bald Hörfunkchefin beim WDR? – Die Presseschau

Valerie Weber (r.) soll Hörfunk-Chefin beim WDR werden, Jörg Schönenborn (l.) Fernseh-Chef
WDR

Um die komplexe Diskussion, die den möglichen Wechsel von Valerie Weber (im Bild mit Jörg Schönenborn) zum WDR begleitet, besser zu verstehen, hilft es womöglich, sich zunächst einmal darüber klar zu werden, wie die Dame sich selbst sieht, was sie mag – und was sie nicht mag. Eine kleine Recherche auf der Website von Antenne Bayern hat ergeben: Gute Chancen, Gefallen zu finden, haben bei der Radiodame offensichtlich  „Schweinehaxe, Ingwer Kekse, Pizza mit Ruccola“. Was sie nicht mag? „Lizenzierungs-Poker; Programm-Auflagen; Leute, die hinterher immer alles besser wissen“. So. Vielleicht ja wirklich eine Frau, die Gutes im Schilde führt.

Was andere über sie denken oder Mitmenschen denken lassen wollen, habe ich in einer kleinen Presseschau zusammengefasst. Wer noch mehr weiß, kann sich gerne melden.

Das Offizielle

Zunächst Auszüge aus der offiziellen Pressemitteilung des Westdeutschen Rundfunks zur Personalie Valerie Weber:

Intendant Tom Buhrow: „Valerie Weber ist eine der erfolgreichsten Radiofrauen in Deutschland. Sie ist eine vielseitige, leidenschaftliche und analytische Strategin.“

Profil von Valerie Weber auf der Website von Antenne Bayern; Quelle: antenne.de/Screenshot
Profil von Valerie Weber auf der Website von Antenne Bayern; Quelle: antenne.de/Screenshot

Außerdem ein Auszug aus der Vita von Frau Weber: „Valerie Weber, geboren am 27. Dezember 1965 in München, ist seit 2004 Programmdirektorin ANTENNE BAYERN, das sie äußerst erfolgreich führt. 2006 wurde sie zudem Geschäftsführerin des Senders und von ROCK ANTENNE. Von 1998 bis 2003 war sie Programmdirektorin bei Hit-Radio ANTENNE 1 in Stuttgart, von 1995 bis 1997 Programmdirektorin der „Ostseewelle“ in Rostock. Volontiert hat Weber bei „Radio Downtown“ in Erlangen. Dort studierte sie auch Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte.“

Aus einem Beitrag auf „Radioszene“:

„Kurz nach offizieller Bekanntgabe sorgte die Personalie Weber bereits für helle Aufregung unter den WDR-Mitarbeitern. Selbst die Hörfunk-Führungskräfte wurden erst wenige Minuten vor Veröffentlichung der Pressemeldung über die Neubesetzungspläne informiert.“

Rückendeckung für Valerie Weber

Bernt von zur Mühlen äußerst sich im Interview mit „Radioszene“. Der Mann war Geschäftsführer unter anderem vom Berliner Privatradio 104.6 RTL und ist nach eigenen Angaben derzeit „Gründer und Geschäftsführender Gesellschafter der moreUneed GmbH in Luxembourg“, die „ganzheitliche Lösungen für strategische Veränderungsprozesse in Medienunternehmen“ anbietet. Ob seine Vita die Haltung gegenüber Valerie Weber beeinflusst, ist nicht überliefert. Er sagt:

Wenn so etwas wie der Wechsel von Valerie Weber nicht möglich ist, dann wird Radio sich einseifen können, weil Radio sowieso riesige Probleme hat, wenn es nur an UKW und anderen Dingen festhält.

Wikipedia-Eintrag geändert?

Medienjournalist Hans Hoff im Online-Mediendienst DWDL:

Wikipedia ist bei Weber insofern eine interessante Größe, als sich ihr Eintrag kurz nach der Bekanntgabe ihrer Nominierung an entscheidender Stelle veränderte.

Gegen das Quotendiktat des Rundfunkrats hatte er [Tom Buhrow, Anm.] indes ungefähr so viel Chance wie eine durchschnittliche LPG, die in der DDR einen Fünfjahresplan kippen wollte.

„Regionalpatriotismus mit Schmankerlshow“

Vor einigen Monaten habe ich auf dieser Seite den Sender Antenne Bayern porträtiert. Der Beitrag mit dem Titel „Regionalpatriotismus mit Schmankerlshow“ ist hier zu lesen. Weitere Beiträge über das Programm des Senders gibt es hier.

„Auf der Welle zum Erfolg“

Vor einigen Jahren war Valerie Weber auf dem ersten Cover der „Journalistin“ des „Medium Magazin“ zu sehen. Titelthema damals: „Auf der Welle zum Erfolg“ – ein Beitrag von Journalistin Urike Langer.

Der „Protestbrief“ im Wortlaut

Die „MitarbeiterInnen des WDR-Hörfunks“ haben Intendant Tom Buhrow einen Brief geschrieben, in dem sie ihn bitten, „unsere Fragen in einer kurzfristig einzuberufenden Versammlung zu beantworten“. Er ist hier zu finden.

Wenig aus dem Rundfunkrat

Die Stimme aus dem Rundfunkrat hat Spiegel Online:

Auch der Rundfunkrat beschwichtigt: Er nehme die Reaktionen aus dem Sender ernst. „Zunächst aber ist es unser gesetzlicher Auftrag, den Vorschlag des Intendanten, der uns zur Entscheidung vorliegt, zu prüfen“, erklärt die Vorsitzendes des WDR-Rundfunkrates, Ruth Hieronymi.

Ein zweiter Brief?

In der Süddeutschen Zeitung (Print-Ausgabe vom 20.11.2013) schreibt Hans Hoff unter der Zeile „Eine Frau von Format“, es gebe einen weiteren Brief an Intendant Buhrow, „den fast alle Moderatoren der Erfolgswelle 1LIVE unterschrieben haben“. Der Text ist bislang nicht online zu finden.

„Außerordentliche Redakteursversammlung“

Update, 20. November:  Das Medienmagazin DWDL meldet per Twitter:

DWDL meldet per Twitter (offensichtlich aus der Redakteursversammlung):

Aufgaben der Hörfunkdirektion

Auf den Seiten des WDR werden auch die Aufgaben, die der Programmdirektion Hörfunk zufallen, beschrieben. Hier heißt es:

Zur täglichen Arbeit gehören dabei strategische Grundsatzentscheidungen über die programmliche Ausrichtung, die journalistische Profilierung und auch die organisatorische Entwicklung der Programme und der anderen Bereiche.

Außerdem:

Der Hörfunkdirektor trägt in enger Abstimmung mit den Wellenchefinnen und -chefs dafür Sorge, dass alle sechs Radioprogramme den gesetzlichen Auftrag des WDR, nämlich den Interessen der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens nach Information, Unterhaltung und Bildung zu entsprechen, in optimaler Weise zielgruppenorientiert ausführen.

Mit seinen sechs Programmen, so steht es hier auf den Seiten des WDR, erreiche der WDR-Hörfunk täglich (Mo-So) rund 8,25 Millionen Menschen, „das entspricht 51,3 Prozent der Bevölkerung Nordrhein-Westfalens.

Beitrag über die Versammlung

Das Magazin DWDL berichtet von der außerordentlichen Redakteursversammlung. Im Beitrag, der hier zu lesen ist, heißt es unter anderem:

Der Kleine Sendesaal des WDR platzte jedenfalls aus allen Nähten. Buhrow versuchte – auf seine gewohnt charmant Art – den Kritikern seine Sicht der Dinge darzulegen und forderte, Valerie Weber doch erstmal eine Chance zu geben.

Laut Mediendienst turi2 sind es 150 der 450 Hörfunk-Redakteure des WDR, die sich gegen ihre mögliche künftige Chefin mit einem Brief an Intendant Tom Buhrow gewandt haben.

Beitrag bei „Zapp“

Das NDR-Medienmagazin „Zapp“ berichtet in seiner Rubrik „Durchgezappt“ am 20. November über das Thema (ab Timecode 2:52).

Weitere Beiträge

Die Journalistin Inge Seibel hat für ihren privaten Blog einen Beitrag zum Thema verfasst. Titel: „Objektiv geht anders!“ Ein Auszug:

Mir fällt ein Satz von Marc Behrenbeck ein, der Fachartikel zum Thema Formatradio verfasst hat – 2006 schon: “Die vorgefertigte Meinung, dass Formatradio anspruchsloser, boulevardesker, einfach gestrickter, austauschbarer und niveauloser Dudelfunk ist, ist mitnichten haltbar. (…)“

Der Pressesprecher von Sky Deutschland, Wolfram Winter, äußerst sich in einem Beitrag unter der Zeile „Aufreger der Woche“ für die Huffington Post über die Personalie Valerie Weber:

Mitarbeiter von Kommerzsendern scheinen aber in den Augen weiter Teile der WDR-Belegschaft eine Art kommerzielle Krankheit zu haben, insbesondere wenn diese in ihrer vorherigen Tätigkeit auch noch erfolgreich waren.

Die Journalistin Sandra Müller wählte für ihren Beitrag die Unterzeile „Was Radiomacher aus dem „Fall Weber“ lernen können“:

Was zählt, sind Fakten. In diesem Fall also Sendungen, Berichte, Programminhalte. Und ab da wird’s schwierig mit einem schnellen Urteil. Denn Valerie Weber war bislang zwar Chefin eines Senders, den Kritiker gerne als – “typisch Privatradio” – „Dudelfunk“ beschreiben. Grundsätzlich inhaltsleer aber war Antenne Bayern nie.

Von Ekki Kern

Ekki Kern ist der Gründer von radiowatcher. Er liebt Radiohören.