Will Valerie Weber den WDR zu Antenne Bayern machen?

Vor etwas mehr als einem halben Jahr hat Valerie Weber ihren Job als Hörfunkdirektorin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) angetreten. Offenbar Grund genug für das WDR-eigene Magazin „print“, sie mal nach dem aktuellen Stand der Dinge zu fragen. Wie läuft der neue Job denn so? Geht die eigene Strategie, die sie nach ihrer Wahl vorgestellt hat, auf?

Brave Fragen, langweilige Antworten

Gleich vorweg: Wirklich Überraschendes oder Originelles gibt es im Interview, das Sascha Woltersdorf geführt hat und das den geschmeidigen Titel „RADIOMACHER müssen zuhören können“ trägt, leider nicht. Zu brav sind die Fragen, zu lang und von ausgetretenen Metaphern geprägt die Antworten von Valerie Weber. Das hat man alles schon einmal irgendwie irgendwo gehört.

So „flankiere“ sich die Radioflotte von 1LIVE bis WDR5 „auf stürmischer See, inhaltlich wie thematisch“. Man entwickle „nun erste Ideen, wie sich unsere Flotte für die Zukunft aufstellen soll.“ Dabei stünden (richtig geraten!) „die Hörer im Vordergrund“. In diesem Bereich arbeite der WDR-Hörfunk eng mit der Medienforschung zusammen.

Auch was das Ausspielen der Inhalte angeht, ist Valerie Weber natürlich vorne mit dabei: Sie sollen „künftig auf allen möglichen Plattformen vermittelt“ werden, „über Soziale Medien wie Facebook und YouTube, aber auch über andere neue Portale im Internet“.

Wird der WDR wie Antenne Bayern?

Schon beim Münchener Privatsender Antenne Bayern, bei dem Valerie Weber mehrere Jahren Programmchefin und Geschäftsführerin in Personalunion war, achtete sie ganz offensichtlich peinlichst genau darauf, den Hörern den Namen des Radioprogramms bei jeder sich bietenden Gelegenheit einzubläuen. Das Gleiche hat sie nun wohl mit den WDR-Programmen vor. Im Interview sagt sie im Hinblick auf die verschiedenen Ausspielkanäle:

Wichtig ist, dass wir darauf achten, dass der Absender – der WDR – erkannt wird.

Zusammengefasst: Alle WDR-Journalisten dürften künftig einem Pool zuarbeiten, aus dem die verschiedenen Redaktionen dann Inhalte nehmen und anschließend jeweils wellenspezifisch aufbereiten.

Dass nun 80 Planstellen beim WDR-Hörfunk wegfallen, kommentiert Valerie Weber auf die ihr eigene Weise:

Ich glaube, das Wichtigste – das klingt pathetisch, aber ich bin davon überzeugt – ist die innere Einstellung zu diesem Prozess.

Ja, Frau Weber, das klingt pathetisch. Mal wieder. Dieses Pathetische ist an so mancher Stelle schon durchgeschimmert, etwa damals, als Valerie Weber sich on Air bei den Hörern von Antenne Bayern bedankte, weil diese das Programm gemeinsam zum reichweitenstärksten Privatsender Bayern gemacht hätten:

Nun soll also auch der WDR endlich „ein guter Freund und Partner“ werden, wie Valerie Weber das nennt. Als Hörer kann man sich da schon drauf freuen. Versprochen.

Hinweis: Valerie Webers Presse-Statement am Tag der Wahl zur Hörfunkdirektorin finden Sie im Wortlaut hier auf RADIOWATCHER.

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