Antenne Bayern & Co – Wie das Jugendradio BR Puls torpediert wird

Antenne Bayern & Co – Wie das Jugendradio BR Puls torpediert wird

Das war klar: 60 bayerische Lokalradios sowie der landesweite Sender Antenne Bayern klagen gegen den Bayerischen Rundfunk (BR), berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Grund dafür ist das Jugendprogramm Puls, das der BR ab 2018 auf die UKW-Frequenzen seines in die Jahre gekommenen Senders BR Klassik lassen will. Damit hätte der kleine Sender endlich eine größere technische Reichweite und würde mehr Menschen im Freistaat erreichen. Doch der BR hat seine Rechnung ohne die private Konkurrenz gemacht!

Worauf sich nun in der kommenden Zeit also alle freuen können, sind juristische Ränkespiele, in denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk als solcher einmal mehr angegriffen und die Legitimität eines solchen mit Rundfunkbeiträgen finanzierten Jugendprogramms in Frage gestellt wird.

Jugendradio? Bayern ist Entwicklungsland!

An dieser Stelle muss man einmal Folgendes sagen: Das Bundesland Bayern ist, was Jugendkultur im Radio angeht, ein echtes Entwicklungsland. Der Südwestrundfunk hat das Programm DAS DING, der Rundfunk Berlin-Brandenburg das exzellent freche Fritz, das aus DT64, dem Jugendprogramm des DDR-Rundfunks, hervorging, der NDR hat NJOY, der MDR sein Sputnik, der Hessische Rundfunk YOU FM und der WDR das ältere (aber immer noch ziemlich junge) 1LIVE.

Was nur ist in Bayern? Hier herrscht zunächst einmal Antenne Bayern, das einst mit innovativen Ideen gestartete, aber nun immer biederer werdende Wohlfühlprogramm für gewinnspielinteressierte Endvierziger. Bayern 3 vom BR eifert dieser privaten Kokurrenz seit Jahren auf teils peinliche Weise nach – und auch bei den regionalen Sendern ist wenig Innovatives für junge Menschen dabei.

Puls sollte eigentlich etwas ändern

Umso erfreulicher war es, dass der altehrwürdige Bayerische Rundfunk mit seinem Programm Puls vor ungefähr zwei Jahren aus dem jungen, extrem nischigen on3-radio ein erfreulich frisches Jugendvollprogramm konzipiert hat. Dadurch, dass der Sender bislang nur über Digitalradio und Webstream empfangbar ist, ist die Bekanntheit allerdings ziemlich beschränkt.

Anstatt selbst mit ein paar Neuerungen aufzuwarten und zu versuchen, die junge Zielgruppe mittelfristig an sich zu binden, werden Antenne Bayern und Konsorten nun so lange nörgeln, bis auf dem bayerischen Radiomarkt wieder diejenige Ödnis herrscht, die man nach den teils vielversprechenden Neunzigern seit Beginn dieses Jahrhunderts kennt und mit der sich die Bevölkerung leider auch irgendwie abgefunden hat.

Solange es das Radio in dieser seiner analog-linear-biederen, gewinnspielverseuchten Art noch gibt, will man seine Pfründe als Privatsender schließlich sichern. Lange kann es nicht mehr sein. Und Innovation kostet nur, meint man offensichtlich. Zu dieser Erkenntnis herzlichen Glückwunsch!


2 Antworten zu “Antenne Bayern & Co – Wie das Jugendradio BR Puls torpediert wird”

  1. 1. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kann man gar nicht oft genug in Frage stellen.

    2. Es ist das gute Recht der Klagenden, die Legalität des geplanten Frequenztausches juristisch überprüfen zu lassen. Dabei ist es doch völlig belanglos, ob man persönlich ein ÖR-Jugendradio auf UKW gut finden würde und ob Bayern „Entwicklungsland“ in Sachen Jugendradio ist oder nicht. Die Richter werden dabei sicher auch nicht denjenigen gewinnen lassen, der genug „nörgelt“. Was ist das denn für eine alberne Sichtweise?

  2. Also mir ist ÖR-Radio á la DRadio Wissen lieber, als immer dieselben AC-Formatradios mit einer Minirotation der Hits aus den 80ern bis heute. Hier bekommt man nebenbei eben auch noch Inhalt vermittelt. Auf Gewinnspiele des Privathörfunks kann ich verzichten. Mir ist auch bewusst, dass ich dafür zahlen muss. Leider gibt es die nur digital.