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WDR-Radio-Nachrichten ab Juni nicht mehr wirklich live

Beim WDR-Hörfunk wird kräftig umgebaut. Derzeit stehen die Neuerungen bei den Nachrichtensendungen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Der Deutsche Journalistenverband Nordrhein-Westfalen (DJV NRW) hatte erst kürzlich zu bedenken gegeben, dass das Aushöhlen ebendieser die „Akzeptanz des WDR gefährden“ könnte.

Zur Reform der Nachrichten heißt es in der aktuellen Juni-Ausgabe der WDR-Postille „WDR Print“ etwas trotzig:

Die neuen Nachrichten bieten „Aktualität, die bewegt; mehr Formenvielfalt und Nachrichten, über die man spricht“, sagt Klaus Bochenek, Leiter der Programmgruppe Nachrichten.

Es bleibe, so heißt es weiter, „bei der verlässlichen, knappen Information über aktuelle Themen – allerdings mit neuer Präsentation und noch mehr journalistischer Vielfalt“. Ein Grund zum Jubeln?

„Live“ – eine Frage der Auslegung

Für viele (WDR-)Journalisten muss es zumindest mehr als seltsam anmuten, dass die Nachrichten von WDR 2, WDR 3, WDR 4 und WDR 5 künftig nicht mehr wirklich live präsentiert werden sollen.

Wie verträgt sich das mit der „gewohnten journalistischen Qualität„, die sich der WDR auch weiterhin selbst attestiert und damit, dass man „seine führende Rolle als Informationsanbieter in NRW auf allen Verbreitungswegen festigen und weiter ausbauen“ möchte?

Auf Anfrage von RADIOWATCHER bei der Pressestelle des WDR heißt es zunächst, dass die Nachrichten so etwas wie irgendwie doch weiterhin live sind. Etwas gewählter ausgedrückt klingt das dann so:

Die Nachrichten werden weiterhin zur vollen und halben Stunde live gesprochen und ausgestrahlt.

#LiveIstWasManDrausMacht

Wirklich? Die genauere Begründung relativiert diese Aussage schnell:

Sie werden nur im Interesse eines besseren Programmablaufs in den Wellen aus technischen Gründen eventuell um ein paar Sekunden verzögert gesendet.

Ein paar Sekunden, die so manchen Nachrichten-Journalisten gewiss stören können. Denn hier geht es um Grundsätzliches. „Live“ ist eben nicht immer „live“, das kann man vom WDR offensichtlich lernen.

Wo „optimiert“ wird, hat Ethos keinen Platz!?

Weiter erläutert die Pressestelle:

Dazu durchläuft das unveränderte Signal einen so genannten Timeshift-Server, der es den Programmen ermöglicht, in einem engen zeitlichen Rahmen den Einstieg in die Sendung an den eigenen Ablauf anzupassen.

Das wird sonst noch neu

Was wird ansonsten konkret neu sein in den Nachrichten? Auch hierzu gibt in „WDR Print“ etwas zu lesen:

Künftig bringen tagsüber ein Nachrichten-Anchor und ein Sprecher gemeinsam die HörerInnen von WDR 2, WDR 3, WDR 4 und WDR 5 stündlich auf den Stand der Dinge.

Die wichtigsten Themen, so heißt es, präsentiere der Anchor „ausführlicher – mit Einordnung und Hintergründen“:

Der Dialog mit KorrespondentInnen und ReporterInnen ist gefragt – im Wortsinne: Was ist passiert, warum ist eine Nachricht wichtig? Das Ziel: Auch komplexe Themen sollen verständlich auf den Punkt gebracht werden.

Unterstützt werde dieser Anchor übrigens von einer Kollegin oder einem Kollegen, „der weitere Meldungen in einer Übersicht zusammenfasst“. Klaus Bochenek sagt dazu:

Bereits die Sendungsstruktur soll signalisieren: Wir bringen Orientierung ins Auf und Ab der Tagesaktualität.

Übrigens: Alle Radionachrichten sollen zudem künftig unter dem Markenzeichen „WDR aktuell“ laufen:

Die Wellen bekommen die „WDR aktuell“-Nachrichten morgens in einer für sie jeweils angepassten Version: Für WDR 2 und WDR 4 gibt es spezielle Klangelemente, WDR 3 und WDR 5 verzichten darauf.

5 Gedanken zu „WDR-Radio-Nachrichten ab Juni nicht mehr wirklich live

  1. Offensichtlich haben Sie den Beitrag nicht wirklich verstanden. Im Übrigen würde ich vorschlagen, dass Sie beim nächsten Kommentieren Ihren Klarnamen verwenden, weil das Sichverstecken hinter Pseudonymen in der Regel (und ganz sicher in diesem Fall) einfach nur eines ist: peinlich. Schönen Abend noch!

  2. Ob Nachrichten wegen eines „Timeshift-Servers“ ein paar Sekunden verzögert ausgestrahlt werden, halte ich nicht für schlimm. (UKW, DAB+, Kabel, Satellit und Internet laufen auch nicht synchron.)

    Bedenklich und falsch halte ich die Kürzung der Sendezeiten und die „Verschmelzung“ (bedeutet wohl Vereinheitlichung) der Nachrichten auf allen WDR Wellen.

  3. Für mein altes konservatives Radio-Ohr ist die jetzige Lösung ein Attentat. Das Timeshift-Verfahren stört mich nur marginal. Die Verabreichung der leichten Nachrichtenkost hingegen führt zu Übelkeit und Aufstoßen. …und damit ein ausgiebiges „Rülps“ auf die Errungenschaften der Valerie Weber…

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